Verwirren, enttäuschen und entmutigen hilft erfahrungsgemäß und auch erwiesenermaßen ebenso wenig wie verweisen, wegschicken oder bürokratisieren. So formuliert werden sich alle einig sein, wenn es um die Anliegen von Menschen geht, die im ersten Paragrafen des ersten Sozialgesetzbuchs zusammengefasst sind: „Das Recht des Sozialgesetzbuchs soll zur Verwirklichung sozialer Gerechtigkeit und sozialer Sicherheit Sozialleistungen einschließlich sozialer und erzieherischer Hilfen gestalten.

Welche Wirkungen sind eigentlich erwünscht und wer bestimmt dies und damit auch die Wirkungsziele? Auf diese Frage wird vor allem eine Antwort der Adressat*innen benötigt, denn die Messung von Wirklichkeit etwa mit Hilfe „geeigneter“ Indikatoren bildet diese nicht ab sondern konstruiert lediglich ein Abbild. Und die Kontrolle mit Hilfe dieser Indikatoren verbessert noch keine Wirkung. Damit eröffnete Stefanie Albus, Forscherin von der Universität Bielefeld ihren Vortrag „Die Vermessung der Partizipation – Implikationen einer teilhabeorientierten Wirkungssteuerung“ am 16. Mai 2019.

In der nicht ganz kurzen Geschichte zur Messung von Wirkungen läuft der Gesamtdiskurs Gefahr, allein für gesellschaftlich erwünschte Wirkungen Finanzmittel bereitzustellen und nicht für im Einzelfall notwendige, nützliche, geeignete Hilfen. Das ist eine der zusammengefassten Aussagen von Prof. Norbert Wohlfahrt in seinem Vortrag zu „Wirkungen messbar machen? Zu einigen Konsequenzen des aktuellen Wirkungsdiskurses“ am 16. Mai 2019.

Der Begriff der Wirksamkeit kommt im BTHG allein schon 18mal in dem Abschnitt zum SGB IX vor und spielt damit, so Prof. Florian Gerlach in seinem sehr erhellenden Vortrag „Die Einführung von Instrumenten der Wirkungssteuerung durch das BTHG und ihre rechtlichen Implikationen“ am 16. Mai 2019, im Diskurs um das BTHG eine zentrale Rolle.

Die Initiative Zukunft der Sozialwirtschaft hat mit aktiver und finanzieller Beteiligung von Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe schon sehr frühzeitig das Forschungsprojekt WirkJuBe aufgesetzt. Dessen mittlerweile vorliegende Ergebnisse konnten Prof. Michael Macsenaere und Monika Feist-Ortmanns vom Institut Kinder- und Jugendhilfe Mainz (IKJ) in ihrem konzentrierten Vortrag zu „Weiterentwicklung der Hilfen Agenda zur Erziehung durch die Optimierung empirisch erwiesener Wirkfaktoren – Praxisrelevante Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt WirkJuBe und anderen Studien“ am 16. Mai 2019 einordnen in den Erkenntniskanon vielfältiger weiterer Forschungsergebnisse.

Die Wirkung macht´s. Wie weit sind wir mit der Wirkungsmessung tatsächlich?

IZdSTagung

16. Mai 2019, 09.30 (Ankommen) / 10.00 (Begrüßung) – 16.30 Uhr
Veranstaltungsort - Bielefeld, Diakonische Stiftung Ummeln

Durch das Bundesteilhabegesetz (BTHG) haben die Aspekte Steuerung und Wirksamkeit der Hilfen eine neue wesentliche Bedeutung für die sozialwirtschaftlichen Leistungserbringer bekommen. Nach den §§ 125 und 128 des BTHG sollen in den künftigen schriftlichen Vereinbarungen zwischen den Leistungsträgern und den Leistungserbringern nicht nur Inhalt, Umfang und Qualität, sondern auch die Wirksamkeit der Leistungen vereinbart werden. Nur weiß bislang niemand, wie das gehen soll und was das für die davon betroffenen Menschen für Konsequenzen haben wird.

Praxisforschung, also Forschung, die von Themen und Anliegen der Praxis ausgeht, an ihren Belangen ausgerichtet wird und zur Vorbereitung von politischen Entscheidungen beiträgt, erfüllt idealerweise zwei Funktionen: Sie leistet aus ihren Ergebnissen einen Wissenstransfer in die Praxis und Politik einerseits und koppelt Praxiserfahrungen in den Forschungsprozess andererseits zurück. Die Rückmeldung über die Ergebnisse ihrer Arbeit sowie über deren Hintergründe unterstützt Reflexion des eigenen Handelns, ermöglicht eine Qualitätsentwicklung und initiiert Veränderungsprozesse.