Die Initiative Zukunft der Sozialwirtschaft hat mit aktiver und finanzieller Beteiligung von Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe schon sehr frühzeitig das Forschungsprojekt WirkJuBe aufgesetzt. Dessen mittlerweile vorliegende Ergebnisse konnten Prof. Michael Macsenaere und Monika Feist-Ortmanns vom Institut Kinder- und Jugendhilfe Mainz (IKJ) in ihrem konzentrierten Vortrag zu „Weiterentwicklung der Hilfen Agenda zur Erziehung durch die Optimierung empirisch erwiesener Wirkfaktoren – Praxisrelevante Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt WirkJuBe und anderen Studien“ am 16. Mai 2019 einordnen in den Erkenntniskanon vielfältiger weiterer Forschungsergebnisse.

Wirkung setzt dabei, so die Forschenden, die Koproduktion der Beteiligten, also Jugendämter, Leistungserbringer und Adressat*innen voraus. In fünf Bereichen sind dabei Wirkfaktoren wissenschaftlich belegt identifiziert: unterschiedliche Ausgangslagen wirken sich auf die Hilfeerbringung aus, in welchem Alter die Hilfe ansetzt und welche bisherigen Jugendhilfeerfahrungen vorliegen, wie die Sorgerechtssituation ausgestaltet ist usw. wirkt sich auf die Hilfeerbringung und deren Wirkungen wissenschaftlich erwiesen aus.

Ein weiterer zentraler Wirkfaktor betrifft die Art der Hilfegewährung, also die sozialpädagogische Diagnostik und die Indikation - welche Leistung wird für welchen Hilfebedarf gewährt, passt diese zu ihm oder soll sie nur möglichst kostengünstig organisiert sein. Letzteres führt in nicht wenigen Fällen zu gar keiner Wirkung oder, mit Blick auf das Leben der jungen Menschen sogar deutlich negativen, demotivierenden, niederschlagenden Wirkungen.

Weitere Dimensionen von Wirkfaktoren betreffen strukturale, prozessuale und pädagogische Aspekte. Insbesondere mit der Wirkungsorientierten Hilfeplanung, der Partizipation und der Kooperation hat sich der Vortrag intensiver auseinandergesetzt.

Monika Feist Ortmanns

Wirkungsorientierte Hilfeplanung

Wirkungsorientierte Hilfeplanung fängt oftmals bereits dort ungünstig an, wenn Ziele nicht motivierend, unzureichend aktiv beeinflussbar oder erst gar nicht bzw. zu allgemein terminiert wurden und für deren Formulierung auch keine gemeinsame Sprache gefunden worden ist. Das sind dann eben nicht die sich zu eigen machbaren Ziele der jungen Menschen sondern allzu oft die Ziele der anderen Beteiligten, also der Profis. Eine Erkenntnis aus dem WirkJuBe-Forschungsprojekt ist, dass unklar formulierte Ziele (bspw. zu allgemein gehaltene) auch nur teilweise oder zu unspezifisch erreicht werden können. Dabei entfaltet eine wirkungsorientiert angelegte Hilfeplanung gerade in den entscheidenden ersten 12 Monaten einer Hilfegewährung, in denen die Schere zwischen gut wirkenden und unwirksam verlaufenden Hilfen stark auseinanderdriftet, ein hohes Steuerungspotential, um einer Unwirksamkeit frühzeitig entgegen wirken zu können (wie der EVAS-Effektindex zeigt).

Partizipation

Beim Thema Partizipation ist aus wissenschaftlicher Sicht eine hohe Diskrepanz zwischen den Konzepten und der gelebten Wirklichkeit festzustellen. Fragt man Eltern und junge Menschen, dann möchten sie weitreichend und in echt mitbestimmen, wenn es um die Hilfegestaltung geht. In der Hilfepraxis im Forschungsprojekt WirkJuBe weisen junge Menschen insbesondere auf gute Partizipationsmöglichkeiten in den Themenfeldern „Freizeit“, „Tagesgestaltung“ und „Kontakte“ hin. Eher mau sieht es dagegen aus ihrer Sicht bei den Themen „Finanzen“, „Wohnen“, „Regeln“, aber auch „Hilfeplanung“ aus. Dabei zeigt der EFAS-Effektindex mehr als sehr deutlich, hohe gelebte Partizipation wirkt frappierend deutlich in Richtung auf positive Wirkungen verglichen mit den Leistungsgruppen mit festgestellter niedriger Partizipation.

Kooperation und Fazit

Wenn die Hilfeerbringung in einer von allen Seiten aus als gut oder sehr gut eingeschätzten Kooperation zwischen Jugendamt und Leistungserbringer verläuft, dann werden auf Basis des Effektindexes fast doppelt so starke positive Effekte erreicht im Vergleich zur durchschnittlichen Kooperationssituation aller Hilfen.

Fazit:

Es liegen ausreichend Erkenntnisse über empirisch erwiesene Wirkfaktoren vor. Diese aber werden oftmals gar nicht systematisch umgesetzt. Wenn man das möchte, dann kostet es alle Beteiligten zunächst mehr Input und Ressourcen als bisher, aber, es lohnt sich!

Die Folien des Vortrags sind an dieser Stelle herunterzuladen.

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23.07.2019 von Dr. Michael Seligmann